Wie alles begann...

Ich bin 59 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Töchter sowie vier wunderbarer Enkelkinder und berufstätig. Mein Zuhause ist im nördlichen Siegerland zu finden: Ferndorf – bekannt durch eine sehr gute Handball-Mannschaft und die angeblich dicksten Kartoffeln.



Vor zehn Jahren wurde bei mir eine schleichende Hörminderung diagnostiziert. Zu Beginn konnte ich noch gut mit Hörgeräten hören, aber bald keine Sprache mehr verstehen. Nach mehreren Hörstürzen war ich links taub und habe rechts auch kein Sprachverstehen mehr. Eine sehr schlimme Zeit begann, ich zog mich zurück und es wurde still um mich; bis ich von dem CI erfuhr und zur MHH überwiesen wurde. Von nun an gab mir Prof. Dr. Lenarz Hoffnung, doch noch wieder hören zu können. Links wurde mir ein CI eingesetzt. Wie ein Kleinkind lernte ich die Geräusche meiner Umgebung wieder zu erkennen und neu zu verstehen. Viele Situationen, die ich vor der Operation gemieden habe, führte ich nun extra herbei, um zu lernen, mit dem Stress und der Belastung umzugehen.

Das war anstrengend, aber auch höchst beglückend. Natürlich gab es viele Höhen und Tiefen, aber ich hatte das große Glück, dass mir sowohl die Ärzte in Hannover als auch mein Akustiker gut zur Seite standen und mich beraten haben. Meine Familie half mir, mein hoffnungsloses Tief zu überwinden. Ich habe gelernt, mir selbst Zeit zu geben und hart an mir zu arbeiten, um wieder hören zu können. Nun trage ich schon seit vier Jahren ein CI und bin damit höchst zufrieden. Sicherlich gibt es auch heute noch Tage und Situationen, die mich an meine Grenze der Belastbarkeit bringen, aber durch das CI kann ich wieder am „normalen“ Leben teilhaben.

Ich würde gerne eine Selbsthilfegruppe für CI-Träger ins Leben rufen, damit Menschen mit diesem Handicap nicht mehr alleine mit ihren Sorgen und Problemen sind, sondern sich in einem vertrauten Kreise von Gleichgesinnten miteinander über ihr Hören oder auch Nichthören, Verstanden - aber auch Nichtverstandenwerden austauschen können. Gemeinsam können wir dann Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung, bei Fachärzten und in Krankenhäusern leisten und zeigen, wie gut es uns mit dem CI geht und wie froh wir darüber sind, die Möglichkeit zu haben, wieder hören zu dürfen.

Mein größter Wunsch wäre, dass Hörgeschädigte genauso selbstbewusst mit ihrer Behinderung umgehen können wie z. B. Brillenträger und dass die Menschen mit Schwerhörigen sensibel umgehen und dass niemand sich schämen muss, etwas nicht gehört zu haben und deshalb als „dumm“ herabgestuft wird.

Vor einiger Zeit sprach mich Marlis Herzogenrath, Autorin des Buches „Mein Weg aus der Stille“ an, und fragte mich, ob ich bereit wäre, eine neue SHG „Süd-Westfalen“ zu gründen. Ja, ich nutze die Chance und möchte all diejenigen bitten, die Interesse und Lust am Aufbau der SHG „Süd-Westfalen“ haben, mitzuarbeiten und sich bei mir zu melden.

Ricarda Wagner
Kärntnerstr.31
57223 Kreuztal im Juni 2008

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